Stadtansicht von Leipzig in Sachsen

Apothekensterben in Sachsen: Woher der Rückgang kommt

Das Apothekensterben in Sachsen hat eine lange Vorgeschichte, und die Ursachen liegen nur zum Teil im Freistaat selbst. Im ersten Beitrag der Reihe ging es um die Schließung der Löwen-Apotheke in Werdau und die aktuellen Zahlen. Hier schauen wir zurück: Wann hat der Rückgang begonnen, was hat ihn angetrieben, und warum trifft er manche Regionen stärker?

Auf einen Blick

  • Nach Zahlen der Linksfraktion im Landtag sank die Apothekenzahl von 1.003 (2011) auf 899 (2023), seit 2012 jedes Jahr.
  • Das Statistische Landesamt zählt 989 Apotheken im Jahr 2015 und 865 im Jahr 2025.
  • Das Fixum liegt seit 2013 bei 8,35 Euro pro Packung, die Betriebskosten stiegen laut Landesapothekerverband um 65 Prozent.
  • Die Zahl der Apothekerinnen und Apotheker wuchs im Gegenzug von 1.863 auf 2.322.
  • Mehr als 500 Arzneimittel waren im März 2026 nicht oder nur schlecht lieferbar.

Wie hat sich die Apothekenzahl in Sachsen entwickelt?

Die Leipziger Zeitung (L-IZ) hat im Juli 2025 Daten der Linksfraktion im Sächsischen Landtag ausgewertet. Danach gab es 2011 noch 1.003 Apotheken im Freistaat, 2023 waren es 899. Das sind 104 weniger, rechnerisch gut ein Zehntel. Seit 2012 sinkt die Zahl laut Fraktionschefin Susanne Schaper kontinuierlich. In den letzten Jahren kamen nur noch sehr wenige neue Betriebe hinzu, während die Schließungen auf hohem Niveau blieben.

Die jüngere Entwicklung lässt sich mit amtlichen Zahlen und Verbandsangaben nachzeichnen. Das Statistische Landesamt nennt für 2015 rechnerisch 989 öffentliche Apotheken und für Ende 2025 genau 865. Der Sächsische Apothekerverband zählt für 2024 insgesamt 27 Schließungen, erstmals ohne eine einzige Neugründung, und für 2025 noch 18 Schließungen bei fünf Neueröffnungen. Im Januar 2026 waren es 867 Betriebe, bis zum 30. Juni 2026 nach Angaben der Pharmazeutischen Zeitung 864. Die Kurve ist also flacher geworden, zeigt aber weiter nach unten.

Warum ist der Rückgang nicht einfach Nachfragemangel?

Ein naheliegender Gedanke wäre, dass die Menschen weniger Arzneimittel kaufen. Die L-IZ hält dagegen: Der Umsatz aller sächsischen Apotheken stieg im selben Zeitraum um fast die Hälfte. Die Menschen geben also nicht weniger aus. Der Druck entsteht an anderer Stelle, nämlich bei dem, was einer Apotheke am Ende bleibt.

Hier kommt das Honorar ins Spiel. Die ABDA weist darauf hin, dass der packungsbezogene Betrag seit 2013 unverändert bei 8,35 Euro je ärztlich verordnetem Arzneimittel liegt. Der Landesapothekerverband Sachsen rechnete im März 2026 vor, dass die Betriebskosten in dieser Zeit um 65 Prozent stiegen. Der Sächsische Apothekerverband ergänzt, die Nominallöhne in Deutschland seien seit 2013 um fast vierzig Prozent gewachsen. Wer Mitarbeitende fair bezahlen will, aber bei den Einnahmen pro Packung auf der Stelle tritt, gerät schnell ins Minus. Nach Verbandsangaben schreibt gut ein Drittel der sächsischen Apotheken rote Zahlen oder gilt als gefährdet.

Welche weiteren Ursachen kommen dazu?

Die Quellen nennen mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:

  • Lieferengpässe: Im März 2026 waren laut Landesapothekerverband mehr als 500 Arzneimittel nicht oder nur schlecht lieferbar, darunter Mittel gegen Bluthochdruck und Asthma. Apotheken müssen Ersatz organisieren, mit Praxen Rücksprache halten und Dosierungen anpassen. Das kostet viel Zeit, die nicht extra vergütet wird.
  • Bürokratie: Dokumentation und Abrechnung binden Personal, wie die L-IZ unter Berufung auf die Linksfraktion beschreibt.
  • Demografie: Sachsens Bevölkerung altert. Gerade außerhalb der großen Städte wächst der Bedarf an wohnortnaher Beratung, während es schwerer wird, Betriebe zu halten.
  • Nachwuchs: Laut L-IZ fehlen Apothekerinnen und Apotheker, PTA und pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte. Interessant ist: Die Zahl der Apothekerinnen und Apotheker im Freistaat stieg laut Landesamt von 1.863 auf 2.322. Mehr Personal verteilt sich also auf weniger Standorte, und nicht jede Stelle ist in einer Landapotheke leicht zu besetzen.
  • Versandhandel: Nach Angaben des Landesapothekerverbands liegt der Marktanteil der Versender bei der Selbstmedikation über 20 Prozent, bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bei rund 1,5 Prozent. Das E-Rezept hat den Versandhandel gestärkt.

Warum trifft es Stadt und Land unterschiedlich?

In Leipzig, Dresden und Chemnitz liegen viele Apotheken dicht beieinander. Fällt eine weg, übernehmen die Nachbarn. In dünn besiedelten Gegenden ist das anders. Die Linksfraktion nennt im Juli 2025 den Landkreis Zwickau als besonders deutliches Beispiel für den Rückgang. Auch die Schließung in Werdau fällt in diese Region. Wenn du dort lebst, kannst du dir auf der Seite zu Apotheken in Zwickau einen Überblick über die Alternativen verschaffen.

Welche Antworten gibt es bisher?

Auf Bundesebene wurde am 22. Mai 2026 das Apothekenreformgesetz im Bundestag beraten und verabschiedet. Es soll Apotheken ein breiteres Spektrum an Impfungen, diagnostischen Tests und pharmazeutischen Dienstleistungen ermöglichen. Die Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro, die der Koalitionsvertrag vorsieht, war zu diesem Zeitpunkt laut ABDA noch nicht verordnet. In Sachsen hatte die Linksfraktion bereits 2025 einen Antrag gegen das Apothekensterben eingebracht (Drucksache 8/658). Das Konsultationsverfahren dazu sollte laut L-IZ nach der Sommerpause 2025 abgeschlossen werden. Dazu passt das, was die Landesapothekerkammer sagt: Neue Aufgaben seien richtig, reichten aber allein nicht aus, solange die finanzielle Grundlage erodiere.

Wer sich auf der Karte orientieren möchte, nutzt unsere Apothekensuche für Sachsen. Was kommt als Nächstes, und was kannst du konkret tun? Das ist das Thema des abschließenden Beitrags dieser Reihe.

Quellen und weiterführende Links